Kleidung auf Reisen – Respektvoll um die Welt

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Die Flüge sind gebucht, der Rucksack gekauft, der Pass verlängert – die Reise kann beginnen! Doch kurz bevor es losgehen kann, muss jeder Reisende noch die Hürde des Packens bewältigen. Zum Glück kann man sich heute im Internet informieren. Auch bei Globesurfer gab es erst vor Kurzem einen Beitrag mit einer Checkliste zum Packen. Solche Listen berücksichtigen meist die nötige Kleidung und Ausrüstung und weisen darauf hin, sich über das Klima der Reiseländer zu erkundigen. Hilfreiche Tipps – doch was ist mit der kulturellen Dimension von Kleidung? Das möchte ich heute ergänzen, denn in manchen Ländern ist es beispielsweise tabu, zu viel Haut zu zeigen und die Sommerkleidung zu tragen, die wir gewohnt sind – auch wenn das tropische Klima uns noch so sehr zum Schwitzen bringt. Worauf müsst Ihr also achten, um die kulturellen Verhaltensregeln des Gastlandes mit Eurer bloßen Erscheinung nicht mit Füßen zu treten?

 

Kleidung auf der Reise: Grundsätzliches

Der erste Schritt zu verantwortungsbewusstem Reisen ist, sich Gedanken zu machen. Auch so scheinbar banale Aspekte wie Kleidung müssen unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet werden, um auf der Reise nicht negativ aufzufallen oder die Kultur des Gastlandes zu beleidigen. Wenn man sich an die folgenden Grundregeln hält, sollte man in den meisten Ländern auf der sicheren Seite sein:
 

  • Schultern und Knie wenn möglich bedecken
  • Frauen sollten auf zu tiefe Ausschnitte und durchsichtige Materialien verzichten
  • Männer nur am Strand oberkörperfrei herumlaufen.

Viele Backpacker kleiden sich auf Reisen so, wie sie zu Hause nicht einmal den Müll rausbringen würden: Schlabberlook im Hippiestyle. Es ist nichts an bequemer Kleidung auszusetzen, doch in Ländern wie Japan kann ungepflegtes oder zu lässiges Auftreten auf Unverständnis stoßen. Im Zweifelsfall also lieber weniger Haut zeigen und als Richtwert auf die Kleidung der Einheimischen achten.

 

                                                                                                                                                                                 

Wie Einheimische kleiden – Auch ein Stück Kultur

Wir alle lieben es, Souvenirs und Erinnerungsstücke auf Reisen zu kaufen, die uns nach der Heimkehr an die aufregende Zeit erinnern. Manche Reisenden gehen jedoch so weit, dass sie Alltagsgegenstände des Gastlandes in ihre Kleidung integrieren und auch vor Ort tragen. Die Melonenhüte wie sie in Bolivien von den „Cholitas“ getragen werden sind ein Beispiel. Das ist an sich noch keine Beleidigung, doch man sollte sich darüber bewusst sein, dass Kleidung auch Ausdruck von Zugehörigkeit einer kulturellen oder sozialen Gruppe ist, der man selbst eben meist nicht angehört. Auch Dreadlocks, ebenfalls eine Form von „Kleidung“, waren einst Ausdruck von tiefer Spiritualität und religiösem Glauben, bevor sie zu einer Modeerscheinung wurden und ihr Ursprung in Vergessenheit geriet. In Indien sind die Punjabi Anzüge der Frauen oder Salwar Kameez/Dhoties (auch für Männer) das ideale Kleidungsstück, da sie durch die leichten Stoffe Haut verdecken, ohne zu beschweren. Doch Vorsicht: andere Länder, andere Sitten! Wo Schultern und Beine verhüllt werden, bleibt der Bauch in Indien bei machen Kleidungsstücken frei, nicht jedermanns („-fraus“) Sache. Außerdem sollte die Kleidung der Einheimischen immer mit Respekt getragen werden und man sich nicht wie beim Karneval fühlen. Dann lieber zu passender westlicher Kleidung greifen.
 

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Quelle: eigene Bilder

 

Richtige Kleidung in Gotteshäusern

Die falsche Kleidung auf der Straße ist eine Sache, richtig beleidigend kann sie allerdings beim Besuch von Gotteshäusern auf der Reise werden. Ich habe unzählige Backpacker gesehen, die mit westlichen Sommerkleidern, Hotpants oder Boardshorts buddhistische Tempel besuchten.
 

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Quelle: http://marktcheck.greenpeace.at/uploads/media/infocheck_kleidung.pdf ©Markus Bauer
 

Viele Gotteshäuser „schützen“ sich heute davor und platzieren eine Tafel mit dem passenden Dress Code vor dem Eingang. In Bali, Laos und Thailand habe ich erlebt, dass am Ticketschalter Tücher und Schals zur Verfügung gestellt wurden, um „last minute“ die nackten Beine und freien Schultern von unvorbereiteten Touristen zu bedecken. Doch nicht nur im Buddhismus und Hinduismus ist zu viel nackte Haut verpönt:  Der Zugang zum Petersdom in Rom wird Besuchern die Schultern und vor allem Knie zeigen verwehrt. Traditionell sollte man in christlichen Kirchen Kopfbedeckungen abnehmen, in Synagogen allerdings unbedingt die Kippa aufsetzen…Ist aber auch kompliziert!
 

Kleidungskultur in jedem Land respektieren

Jedes Reiseland ist anders, doch wir sind es dem Gastland schuldig, uns auf die kulturellen Unterschiede vorzubereiten. Das ist meist interessant, bildet und führt dazu, dass wir uns vor Ort wohler fühlen und einen guten Eindruck hinterlassen! Wir würden es ja auch nicht gutheißen, wenn man in Deutschland ständig nackig rumläuft wie im Urlwald, auch wenn das jetzt sehr weit weg geholt ist. In diesem Sinne, viel Spaß beim Packen und gute Reise!
 


Der Beitrag wurde von Gastautorin Lisa verfasst. Lisa kommt ursprünglich aus Franken, zog für ihr Studium der Transkulturellen Kommunikation jedoch nach Wien. Auf mehreren Fernreisen, u.a. nach Südamerika, Indien, Zentral- und Südostasien, Australien, Neuseeland und dem Südpazifik, konnte Lisa die Inhalte ihres Studiums vertiefen und in die Praxis umsetzen. Seit der Rückkehr von ihrer 15-monatigen Weltreise lebt und arbeitet sie in Leeds, England.

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