Weltreise – erster Halt Nord- und Südamerika

Nach Beendigung des Studiums packt viele noch einmal die Reiselust, bevor es dann heißt: Arbeiten für die nächsten 40 Jahre. Die Aussicht auf 30 Tage Urlaub pro Jahr kann die Reiselust nicht stillen. Und wann sonst hat man fast unbegrenzt Zeit, sich die schönsten und exotischsten Flecken unserer Erde abseits ausgetretener Touristenpfade anzuschauen und einen Alltag abseits fester Abläufe und voller Spontaneität zu erleben? Für viele Backpacker steht zu Beginn einer Weltreise nur eines fest: das Abreisedatum. Eine ungefähre Route steht bei viel auch, aber fest geplant sind maximal die Flüge von einem Kontinent zum nächsten. So war es auch bei mir.

 

Die Weltreise Route über Asien oder Amerika

Viele Trips um den Globus beginnen mit Asien als erstem Reiseziel, aber warum nicht mal auf der anderen Seite des Globus beginnen –  in den USA. Chicago als Ausgangspunkt für die erste Etappe von Nord- nach Südamerika, inklusive Kanada, Kolumbien und Chile, bietet sich gerade für Einsteiger in Sachen Backpacking an.

 

Wer nicht sofort mit Rucksack und Trekkingklamotten durch die Wildnis wandern will, der kann mit den USA vergleichsweise vorsichtig einsteigen. Mit einem Flugticket nach Chicago, das ich über Expedia gebucht hatte, begann die Reise. Dort hatte ich bereits einmal gebucht und wusste, dass die Buchung problemlos klappen würde.

Chicago und ein Roadtrip zu den großen Seen

Silberne_Nuss

sparkie / pixelio.de

Nicht unbedingt typisch für den Trip in die USA ist Chicago als Ausgangspunkt. Viele beginnen entweder an der Ost- oder Westküste und reisen dann quer durchs Land. Die Stadt am Lake Michigan ist weltoffen, charmant und kulturell mindestens so interessant wie New York. Literatur, Theater und Kultur wird hier groß geschrieben und die Stadt scheint so gar nicht in das böse Klischee des kulturell ungebildeten Amerikas zu passen. Einer der schönsten Plätze der Stadt ist der Riverwalk, der auf beiden Seiten des Chicago Rivers direkt in den Stadtteil Streeterville führt. Hier kann man richtig gut essen – wenn man denn genug Geld einstecken hat. Chicago ist nämlich kein günstiges Pflaster und teure Restaurants sind der natürliche Feind eines jeden Backpacker-Budgets.

 

Günstiger wird es erst, wenn man sich aus der Stadt wagt. Ein Roadtrip mit anderen Reisenden oder Freunden entlang der Great Lakes ist schon etwas ganz besonderes. Ein Abstecher nach Toronto ist da auch noch drin, ebenso wie die unvermeidlichen Niagarafälle. Die Wasserfälle befinden sich sowohl auf kanadischer als auch US-Seite, wobei auffällt, dass die kanadischen Fälle deutlich höher sind. Unter lautem Getöse stürzen hier schier unglaubliche Wassermassen 58 Meter in die Tiefe. Beschreibungen werden dem Anblick nur halb gerecht, deswegen: unbedingt hinfahren und für ein paar Minuten (oder auch Stunden, je nachdem wie viel Zeit man so mitbringt) einfach nur auf die Wasserfällen starren. Es ist schon ziemlicher Wahnsinn.

Steak-Sandwich und Beton-Dschungel

Weil einen auf so einem Roadtrip unweigerlich der Hunger packt, muss irgendwann der Besuch in einem echt amerikanischen Diner her. Und tatsächlich, in den meisten Diners entlang der Highways sieht es aus wie im Film. Old-School-Interieur, lange Tresen und propere Kellnerinnen in pastellfarbenen Uniformen, die einem mit breitem Grinsen Pie und Coffee servieren.

 

Die meisten Menschen, denen man in Diners und auf dem Roadtrip begegnet, sind extrem freundlich und geben Tipps, was man sich auf keinen Fall in der Gegend entgehen lassen darf. Einer dieser Tipps ist Bob & John’s in Buffalo, wo es angeblich die besten Beef-Sandwiches auch die beste Pizza am Lake Erie gibt.

 

Und ja, das Essen hier ist gut, aber es gibt auch noch ganze andere lukullische Genüsse, die einem auf einer Reise um die Welt erwarten. Von Buffalo kann man mit dem Greyhound Bus weiter nach New York City – und das darf man sich nicht entgehen lassen. Über NYC ist schon so viel geschrieben worden, Lobeshymnen als auch Hasstiraden, und jeder hier hat eine Meinung zu diesem Ort – wenn auch nicht immer die gleiche, denn jeder erlebt die Stadt anders. New York lebt nicht nur von den Menschen, denen man dort begegnet, es ist auch die Stadt selbst, die eine ganz eigene Dynamik hat. Es ist so, als würde sie ein Eigenleben haben.

 

Man könnte an dieser Stelle jetzt unendlich viel über die Bodegas, die U-Bahn, die Museen, die Menschen und Hosts in der Stadt schreiben – das lass ich aber einfach sein, denn New York  City, die Stadt, die niemals schläft, muss man selbst erlebt haben – und selbst dann wird man diesen Ort nicht unbedingt verstehen. Nur soviel – wer einmal hier war, der kann verstehen warum die New Yorker ihren Central Park so lieben.

Weiter auf der Reise von Nord- nach Südamerika

Das erklärte Ziel der meisten Backpacker auf Weltreise ist es, auf allen Kontinenten gewesen zu sein und die unterschiedlichen Orte zu entdecken. New York kann dafür eine gute Einstimmung sein, denn im Melting Pot gibt es kaum eine Kultur, die es nicht gibt. Das ist aber bei aller Liebe nicht vergleichbar mit den Reiseerfahrungen, die man unterwegs sammelt. Deshalb ging es nach drei Wochen weiter, Richtung Lateinamerika.

 

Abgesehen von einem kurzen Zwischenstopp in Kolumbiens Hauptstadt Bogota ging es direkt nach Santiago de Chile. Über Expedia gibt es günstige Flugverbindungen von New York City nach Santiago – in meinem Fall mit Umsteigen in Bogotá, deshalb der Zwischenstopp. In Chile kommt zum ersten Mal so richtige Backpackerstimmung auf. Zusammen mit anderen Backpackern, die man in Santiago in jedem Hostel trifft, lässt sich das Nachtleben der ansonsten doch etwas anonymen Hauptstadt mit Andenblick erkunden.

 

Spannend wird es auch, wenn man sich eine dicke Winterjacke anzieht, einen Eispickel in die Hand nimmt und den Gletscher eines 2847 Meter hohen aktiven Vulkans besteigt. Mit einer Gruppe anderer Rucksackreisender eine Gletscherwanderung in den Anden zu unternehmen, ist schon eine ganz besondere Erfahrung. Überhaupt: die freundlichen Menschen, die einem hier begegnen, angefangen beim Guide und anderen Backpackern bis hin zu den Kindern und Frauen in den Bergdörfern, sie alle hinterlassen mit ihrer ansteckenden Freundlichkeit einen bleibenden Eindruck. Aber die Anden sind nur ein Teil der beeindruckenden Landschaft im Land. Chile kann nämlich auch anders.

Wüste mit Blick auf die Anden

Atacama Wüste

Reiner Schedl / pixelio.de

Im Norden des Landes erstreckt sich die Atacama Wüste, die nicht nur eine der trockensten Landschaften der Erde ist, sondern für eine Wüste ungewöhnlich kühl ist. tagsüber hat es locker um die 30 Grad, nachts kühlt die Wüste dann ab auf stellenweise -15Grad. Für die extremen Temperaturwechsel wird man allerdings mit tollen Aussichten entschädigt, wie rosafarbenen Flamingos in einem ausgetrockneten Salzsee oder dem Valle de la Luna, dem Tal des Mondes.

 

Das Tal des Mondes sieht tatsächlich so aus, wie es der Name vermuten lässt. Besonders die Salzformationen wecken Assoziationen mit dem Mond. Übrigens, das Valle de la Luna ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten des Landes und ein viel besuchtes Touristenziel. So ganz in Ruhe wird man diese Landschaft deshalb kaum genießen können. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, denn auf einem Trip rund um den Globus wird man sowieso nicht umhinkommen, sich gemeinsam mit Pauschalreisenden die eine oder andere Sehenswürdigkeit anzuschauen.

 

Nach einiger Zeit steigt so manchem Weltenbummler die trockene Hitze des Atacama in den Kopf und schlägt aufs Gemüt und man wünscht sich die Pools, Strände und Meer zurück. Dann ist es an der Zeit, diesen Ort zu verlassen und sich weiter Richtung Süden zu bewegen. Next Stop: Valparaíso. Die quirlig bunte Stadt mit eklektischem Hippie-Charme ist das kulturelle Zentrum des Landes. Anders als in der Hauptstadt Santiago gibt es hier keinen Smog und überhaupt scheinen hier alle tiefenentspannt und relaxt zu sein.

 

Das wusste schon der chilenische Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda zu schätzen, der Valpo (so wird die Stadt liebevoll von den Chilenen genannt) zu seinem Lieblingsort erkor und hier ein Haus direkt am Strand baute. In den Altstadtvierteln Cerro Alegre und Cerro Concepcíon gibt es wunderschöne Hostels in alten Kolonialbauten und unzählige Kneipen, die zu einem Pisco einladen. Wer die Hügel der Stadt erklimmt, hat von dort einen wunderbaren Blick über die quietsch-bunte Stadt und den Pazifischen Ozean, den er nicht wieder vergessen wird.

 

Apropos Pisco: das ist der Nationalschnaps der Chilenen, den es in fast identischer Form auch in Peru gibt. Aber ein echter Chilene weiß: nur chilenischer Pisco ist guter Pisco. Wen’s interessiert: in Pisco Elqui kann man eine der Schnapsbrennereien besuchen, die das ganze Land mit dem klaren Weinbrand versorgen.

Sommer auf der Osterinsel

Osterinsel

Reiner Schedl /pixelio.de

Nach erneutem Zwischenhalt in Santiago geht es für uns jetzt weiter auf die Osterinsel, wo man im Sommer als Backpacker am günstigsten auf dem Zeltplatz unterkommt. Rapa Nui, wie die Insel von den Einheimischen genannt wird, ist ein ganz besonderer Ort, voller Mystik und dem Geist vergangener Jahrhunderte. Die bekanntesten Bewohner der Insel sind die Moai, kolossale Steinstatuen, die bis heute zu hunderten auf der Insel verstreut sind und Forschern weltweit noch immer Rätsel aufgeben. In vielen Reiseberichten erzählen die Leute von Bustouren über die Insel, auf der sie von Fundort zu Fundort gekarrt werden. Wem das zu touristisch ist, der kann sich ein Fahrrad auf dem Zeltplatz ausleihen und im eigenen Tempo die Fundorte und Köpfe anschauen.

 

Mit dem Fahrrad fährt man über saftig grüne Wiesen durch eine Landschaft, die aussieht wie das Teletubbie-Land. Begrünte Berge, kaum schroffe Kanten, dafür weiche Formen und dazwischen die bis zu 21 Meter hohen Steinskulpturen – so in etwa sieht es auf Rapa Nui aus. Bäume findet man hier kaum. Die Moai sind übrigens in Stein gehauene Verkörperungen der längst verstorbenen Ahnen der Inselbewohner und ein fester Bestandteil der Geschichten der Insel. Aber auch wenn die Moai allgegenwärtig sind, es gibt hier noch viel mehr zu sehen. Mit mehr Pferden als menschlichen Bewohner bietet Rapa Nui seinen Besuchern gute Bedingungen für eine Tour auf dem Rücken der Pferde.

 

Ein beliebter Treck ist ein kurzer Ausritt auf den Höchsten Punkt der Insel, von dem aus man einen Panoramablick über die ganze Insel hat. Außerdem kann man auf der Pazifikinsel auch einfach mal nur am Strand rumhängen. Zwar hat die Insel nur einen einzigen Sandstrand, dafür ist Anakena aber auch eine echte Schönheit auf der Nordseite Rapa Nuis. Und wenn es nachts dunkel wird, dann hat man hier meist freien Blick auf den Sternenhimmel, da die Osterinsel mehrere tausend Kilometer von ihren Nachbarn entfernt liegt und die Lichtverschmutzung sich hier auf ein Minimum beschränkt. Es sei denn, es schieben sich tropische Wolken über den Nachthimmel, dann ist auch hier die Aussicht getrübt.

 

Mit einer sternenklaren Nacht kann eine dreimonatige Etappe von Chicago auf die Osterinsel zu Ende gehen. Es können drei tolle, aufregende und anstrengende Monate werden, die einen aber viel länger vorkommen können und drei Monate, die man nie mehr vergessen wird. Aber wie heißt es immer wieder: man soll gehen, wenn es am schönsten ist.

 

Titelbild: Astrid Heinl / Pixelio.de

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