Frauen in Japan: Lächeln im Patriarchat

Tempel im Wasser

Im Jahr 2017 veröffentlichte das World Economy Forum zuletzt seinen Global Gender Gap Report, der die Gleichstellung der Geschlechter in einer Rangordnung der Länder dieser Welt darstellt. In den Top 5 (und das hat wohl niemanden überrascht) liegen die skandinavischen Länder. Deutschland befindet sich auf Platz 12 und die Niederlande sind auf Platz 32 – um nur einmal einen ersten Eindruck von dem Ranking zu geben. Und wo befindet sich Japan in dieser Liste der Gleichstellung? Auf Platz 114 von insgesamt 144 getesteten Ländern. Das sonst als hochentwickelt geltende Land liegt in Sachen Gleichberechtigung auf einer Höhe mit Ländern wie Äthiopien und Tunesien.

 

 

Schweigen bei sexueller Belästigung

Japan hat eine der niedrigsten Kriminalitätsraten der Welt, was vornehmlich auch damit zusammenhängt, dass häusliche Gewalt, Missbrauch, Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe nicht zur Anzeige gebracht werden. Dies im Hinterkopf und mit etwas Grundwissen über die japanische Kultur, in der starke Gefühlsausbrüche (Wut, Ärger, Trauer, Freude) nicht geschätzt werden, macht der Einsatz von sogenannten Pink Cars im öffentlichen Nahverkehr in den größeren Städten während der Rush Hour plötzlich Sinn.

 

Diese dienen nämlich dazu, Schutzzonen für Frauen einzurichten,

Kimono

Japanerin im traditionellen Gewand

wenn eventuelle Grabscher in der völlig überfüllten Bahn ihre Hände nicht bei sich behalten können. Sicher lässt sich ein gewisser Körperkontakt in einem vollgestopften Waggon kaum vermeiden und viele Männer halten mittlerweile auch die Hände über den Kopf, um niemanden aus Versehen zu belästigen, aber jene Personen, die die Situation ausnutzen, rechnen dabei die Tatsache mit ein, dass japanische Frauen niemals lautstark beschweren würden – eben weil oben genannter öffentlicher Gefühlsausbruch in der japanischen Kultur einfach nicht schicklich ist.

 

Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum sich Touristinnen in Sachen Belästigung sehr wenig Sorgen machen müssen, nämlich, weil eine Szene sehr wahrscheinlich ist.

 

Das Frauenbild in Mangas

Dieser Faktor der sexuellen Belästigung von Frauen im öffentlichen Raum geht sicher auch einher mit einem bestimmten Frauenbild, das in dem typisch japanischen Kulturgut der Mangas vermittelt wird. Wer schon einmal so ein Buch in der Hand hatte, wird schnell bemerken, dass das Frauenbild recht realitätsfern ist. Weibliche Figuren werden oftmals stereotypisch in einer Schuluniform mit Puppengesichtern und großen Bambi-Augen dargestellt, wobei die völlig überzogenen weiblichen Formen in krassem Kontrast zu der Kindlichkeit oberhalb der Schultern stehen.

 

Eine derartige Karikatur des weiblichen Körpers wird nun Jungen und Männern präsentiert, deren sexuelle Sozialisation so gut wie gar nicht stattfindet, denn in der Zeit, wo sich normalerweise erste Dates oder sexuelle Erstkontakte ereignen, wird unter dem Leistungsdruck der japanischen Gesellschaft in der Schulzeit für eine gute Uni und während des Studiums für einen guten Job gelernt. Zeit für Liebe und Sex, außer in Mangas und Animes, bleibt da wenig.

 

Menschliche Zuwendung als Diensteistung

Ein Trend in Japan sind so genannte Hug Cafés, in denen Männer (platonische) körperliche Zuwendung von Frauen in Form von Umarmungen oder über den Kopf streicheln käuflich erwerben können. Ein Teil des Angebots ist auch das sich-gegenseitig-in-die-Augen-sehen, während nebenbei der Zähler läuft. Wenn es dann piept, ist es mit der menschlichen Nähe vorbei.

 

Frauen Japan

Frauen bei einem Festumzug

Finden sich dann doch einmal Paare, sind die Rollen sehr eindeutig verteilt. Dies fängt bereits bei der Optik an, denn Frau trägt meist Beige oder Rosa, Rock oder Kleid, Perlen oder Schleifen. Eine Frau in Hoodie und Converse bekommt man eher selten zu sehen. Beim Spaziergang als Paar klammert sich die Frau an den Arm ihres Partners fest und nutzt zahlreiche Situationen, um dessen Männlichkeit zu unterstreichen.

 

 

So gesehen in einem Park unweit von Tokio, der dafür bekannt ist, dass Besucher dort eine Vielzahl von Rehen füttern können. Beliebig austauschbare Paare gehen dabei nach einem ähnlichen Muster vor. Sie hält dem Reh einen Keks hin, das Tier kommt, weil es das Futter möchte und sobald es auch nur ihre Fingerspitzen ganz vorsichtig mit der Nase berührt, lässt die Frau den Keks kreischend fallen und flüchtet sich in die Arme des Mannes.

 

Auch wenn hier neckische Verhaltensweisen sicher ebenfalls zum Tragen kommen, werden doch die klassischen Rollenverteilungen deutlich. Der Mann geht arbeiten und versorgt und beschützt die Familie, während die Frau zu Hause bleibt und ein Nest baut. Dies zeigt sich auch in den vielen Bars und Kneipen bei den After-Work-Drinks, wo sich nur sehr selten eine Frau finden lassen wird. Stattdessen sitzen dort ältere Geschäftsmänner mit ihren jungen Lehrlingen und weisen die nächste Generation ein, wie das mit dem Trinken und dem Diskutieren testosteronbeladener Themen geht.

 

Weibliche Uni-Bewerber systematisch schlechter bewertet

Zurück zu der vergleichsweise schlechten Platzierung Japans im

Hochzeit Japan

Traditionelle Hochzeit

Global Gender Gap Report. Frauen in Japan sind wohl weniger physischer Unterdrückung oder bestimmten Kleiderordnungen unterworfen, sondern es mangelt ihnen schlicht an Chancen. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass die medizinische Fakultät der Universität Tokio über Jahre hinweg Ergebnisse der Eignungstests von weiblichen Kandidatinnen systematisch verschlechtert und die der männlichen Kandidaten verbessert hat. Weibliche Fachkräfte verdienen im Schnitt 30 Prozent weniger als ihr männlicher Counterpart und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Vereinten Nationen (OECD) zufolge zählt Japan weltweit zu den Ländern mit der geringsten Anzahl von Ärztinnen.

 

Was wohl als ein klassischer Teufelskreis bezeichnet werden kann, denn natürlich wählen dann die meisten Frauen in Japan den Weg der Hausfrau – wenn es sowieso nur wenige Chancen gibt und die Wege in den Beruf ohnehin sehr steinig sind.

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Sarah Tekath

Nach dem Studium war ich 2 Jahre in Prag, hab danach mein Volontariat in Hamburg gemacht, war anschließend in Spanien und bin jetzt seit 4 Jahren in Amsterdam. Seit knapp 1,5 Jahren bin ich selbständig und genieße die Freiheit von überall dort arbeiten zu können, wo sich eine WLAN-Verbindung befindet. Schreiben und Reisen sind meine Leidenschaft, umso besser, dass ich beides zu meinem Beruf machen konnte.

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