Alleine reisen als Frau? Hört endlich auf mit der Panikmache

„Ist das denn sicher – alleine reisen als Frau?“ Eine Frage, wie Fingernägel auf einer Tafel. Eigentlich ist nicht einmal die ganze Frage das Problem, sondern der Einschub am Ende. „Als Frau“. Hilflosigkeit in zwei Silben. Diese kurze Pause, das Zögern in Bruchteilen von Sekunden, vor der Nennung des Problems. „… als Frau“. Fehlt nur noch, dass der derjenige Urheber oder diejenige Urheberin der Frage dabei auch noch die Stimme senkt, die Hand vor den Mund hält oder sich hektisch umblickt, ob auch ja niemand diese Anzüglichkeit gehört hat. Ich sage bewusst auch diejenige, weil es leider oft Frauen sind, die diese Frage stellen, ob es denn sicher sei, alleine reisen … als Frau.

 

 

Ist alleine reisen als Frau gefährlich?

Dazu gibt es zwei Antworten und ihr dürft euch gerne die aussuchen, die am besten in euer eigenes Weltbild und zu eurem Sinn für Humor passt. Nein, es ist furchtbar gefährlich. Genau so wie Autofahren, eine Treppe hinuntergehen, einen Gasherd benutzen oder einen Apfel essen. Denkt mal an die Geschichten und Märchen von früher zurück. Da haben Äpfel nie etwas Gutes bedeutet. Und ja, natürlich ist es sicher. Warum sollte es in Tokio, Melbourne oder sonst wo gefährlicher sein als in Heidelberg, Düsseldorf oder Buxtehude?

Nachts allein in Tokio? Kein Problem.

 

Nun kommt sicher das Todschlagargument, dass es ja auch Regionen in der Welt gibt, wo Frauen unterdrückt werden und physischen Bedrohungen ausgesetzt sind. Gibt es sicher und das ist tragisch, aber ich habe doch Zweifel, dass sich Neulinge in Sachen Soloreisen dort aus Versehen hin verirren. Oder soll eure erste Solo-Reise gleich in den Jemen gehen? Ich denke nicht.

 

Interessant ist übrigens in diesem Zusammenhang auch eine Studie der Thomson Reuters Foundation bezüglich der für Frauen besonders gefährlichen Reiseländer. Dazu zählen in den Top 5 Indien, Afghanistan, Syrien, Somalia und Saudi Arabien. Auf Platz 10 allerdings – und das wird jetzt sicher für Erstaunen sorgen – stehen … die USA.

 

Ein Land, wo sich jetzt vermutlich nur die wenigstens Frauen Sorgen gemacht hätten.

 

Sexuelle Belästigung und Missbrauch passieren überall: am häufigsten in den eigenen vier Wänden

Offensichtlich ist es also nicht allein der arabische oder afrikanische Raum, wo das Sicherheitsniveau für allreisende Frauen bedenklich ist. In Südamerika sieht es stellenweise nicht besser aus, da Frauen dort gerne als Sexobjekt oder als Dekoration verstanden werden. Und abgesehen davon, wenn ich mich so in meinem eigenen Land (damit meine ich Deutschland) umsehe – ihr könnt aber hier auch gerne jedes andere beliebige europäische Land einsetzen – auch dort gibt es sicher einheimische Männer, die mal ein 21st century update in Sachen Gleichstellung brauchen.

 

Trotzdem heißt das nicht, dass jeder Mann auf der Welt das primäre Lebensziel hat, alleinreisende Backpackerinnen zu verschleppen und zu vergewaltigen. Vor allem schon deswegen nicht, weil die meisten sexuellen Übergriffe nachweislich von Personen aus dem direkten Umfeld der Frau ausgeübt werden.

 

Allein in Marrakesh

Trotzdem ist es aber so, dass natürlich in den Medien ein gewisses Bild bestimmter Länder gezeichnet wird. Da sind die Medien selbst nicht ganz unschuldig dran und mir ist klar, dass ich als Journalistin Teil des Ganzen bin, was auch mit der Hauptgrund ist, warum ich dies hier schreibe. Sagen wir also, im außereuropäischen Land X wird eine Touristin überfallen.

 

Sämtliche Medien stürzen sich auf die News und schlachten die Sache aus. Dass dasselbe möglicherweise auf dem Hamburger Kiez passiert, findet aber maximal Platz im Lokalteil. Viel wichtiger aber noch: Über die Vielzahl der Backpackerinnen, die sich täglich in das Land hinein- und sich auch völlig unbeschadet wieder aus ihm hinausbewegen, über die wird nicht berichtet – weil, das bringt ja keine Klicks.

 

Alleine reisen als Frau und sich sicher fühlen

Zurück zum Thema: Mir ist klar, dass Frauen Männern hinsichtlich Körperbau, Muskelmasse etc. unterlegen sind, aber für mich ist das kein Zustand, der mich daran hindern könnte, das zu tun, was ich will und das ist in diesem Fall, mir die Welt anzusehen. Außerdem ist dieser Fakt ja nicht unumstößlich. Schließlich gibt es reichlich Möglichkeiten, dafür zu sorgen, dass man (Frau in diesem Fall) wehrhaft wird. Du fühlst dich schwach? Werde stark! So einfach ist das. Ich kann euch versichern, ein selbstbewusstes Auftreten macht schon einen riesigen Unterschied, denn Männer, die tatsächlich böse Absichten haben, suchen sich Opfer, keine Gegner. Und das gilt egal für welches Land.

 

Damit will ich sagen: Liebe Frauen, hört auf, zu glauben, ihr bräuchtet eine männliche Person, die euch beschützt, sondern bitte begreift stattdessen, dass ihr in erster Linie selbst für eure Sicherheit verantwortlich seid. Und dafür gibt es Kurse, Workshops usw., die sind gut für das eigene Ego und für die Sicherheit, weil ihr schon unmissverständlich ausstrahlt, dass man sich mit euch nicht anlegen sollte.

 

Alleinereisen als Frau ist nicht gefährlicher als jede andere Lebenssituation auch

Erinnert ihr euch noch an Kant, damals im Deutschunterricht in der Schule? Er sagte: Die Aufklärung ist der Austritt des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. In diesem Fall ist es das Gleiche. Nur, dass es nicht die eigene Unmündigkeit ist, sondern das eigene Selbstverständnis, dass Frau einen Mann an ihrer Seite braucht, um sie zu beschützen.

 

Allein in Belfast

Denn auch wenn das gerne vergessen wird: Auch für Männer gibt es beim Alleinereisen durchaus Situationen, die gefährlich werden können. Oder glaubt ihr, bei einem bewaffneten Raubüberfall mit 13 Personen gegen einen wird es für den Mann nicht brenzlig? Deswegen, liebe Frauen, alleine reisen als Frau ist nicht gefährlicher als jede andere Lebenssituation auch. Reist mit Verstand. Ihr würdet in Neukölln auch nicht allein durch die dunkelste Gegend laufen, dann fangt es in den Fevallas in Brasilien nicht an.

 

Das Gleiche gilt für Kleidung. Wenn euch bewusst ist, dass in eurem Reiseland ein anderes Verständnis von weiblicher Körperbedeckung herrscht, dann passt euch ein wenig an und provoziert nicht unbedingt mit übertrieben freizügiger Mode. Schließlich habt ihr von Natur aus ein eigenes Warnsystem mitbekommen und das heißt Instinkt. Seid mutig, schaut euch die Welt an und bildet euch selbst ein Urteil – denn viele, die euch erzählen, wie gefährlich bestimmte Länder sind, waren selbst noch niemals dort.

 

Liebe Frauen, alleine reisen lohnt sich

Und wenn ihr es euch dann zum ersten Mal zugetraut habt, dann werdet ihr davon gar nicht mehr genug bekommen vom alleine reisen als Frau. Weil ihr plötzlich bemerkt, wie viel ihr ganz allein schaffen könnt. Deswegen noch einmal mein Rat: Macht es, es lohnt sich! Aber Vorsicht, es macht süchtig.

 

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Sarah Tekath

Nach dem Studium war ich 2 Jahre in Prag, hab danach mein Volontariat in Hamburg gemacht, war anschließend in Spanien und bin jetzt seit 4 Jahren in Amsterdam. Seit knapp 1,5 Jahren bin ich selbständig und genieße die Freiheit von überall dort arbeiten zu können, wo sich eine WLAN-Verbindung befindet. Schreiben und Reisen sind meine Leidenschaft, umso besser, dass ich beides zu meinem Beruf machen konnte.

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Wir sind hier auf einem Weltreise Blog, also sollte dein Kommentar auch was mit dem Thema zu tun haben. Alles andere wird sowieso nicht freigegeben. Zudem sollte ein Kommentar qualitativ und quantitativ ansprechend sein damit auch andere was damit anfangen können! Andere Backpacker werden es dir danken.

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