Großbrand in Chile: Einwohner Valparaísos verlieren Hab und Gut

Meine Südamerika-Reise hat mich vor etwa einem Monat nach Valparaíso, der wunderschönen chilenischen Hafenstadt gebracht. Sie ist ungefähr 120 Kilometer von Santiago de Chile entfernt. Hier arbeite ich nun in einem kleinen aber feinen Hostel. Leider wurde der bisher großartige Aufenthalt von einem verheerenden Großbrand mitten in der Stadt überschattet. Die Präsidentin Michelle Bachelet spricht von dem „schlimmsten Feuer in der Geschichte von Valparaíso.“ Auch deutsche Medien wie die Tagesschau oder Süddeutsche berichten über die Katastrophe. Da ich nun gerade vor Ort bin und mir Valparaíso sehr am Herzen liegt, bekommt ihr hier einen direkten Einblick in die Geschehnisse!

 

Eine Fläche von etwa 1000 Hektar zerstört

 

Tausende Menschen in der chilenischen Hafenstadt Valparaíso mussten vor knapp 2 Wochen mit ansehen, wie ihr bisheriges Leben in Flammen aufging. Durch die seit dem 12. April lodernde Feuerwalze wurden in der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Stadt rund 2.900 Häuser zerstört, 15 Menschen starben in den Flammen. 12.000 Einwohner mussten evakuiert werden.

>Valparaíso ist bekannt für seine kopfsteinbepflasterten Gassen, bunte Häuser sowie für die Zahnradbahnen, die die steilen Hänge hinauffahren. Das touristische Zentrum ist von den Flammen weitesgehend verschont geblieben, doch in den anliegenden Nachbarschaften kämpfen die Menschen nun gegen Asche und Trümmer. Die Ausmaße der Zerstörung sind verheerend.

Einsatz im Katastrophengebiet

Einsatz im Katastrophengebiet

 

Die Menschen haben wirklich alles verloren. Die hauptsächlich aus Holz bestehenden Häuser sind teilweise komplett heruntergebrannt, von Matratzen ist nur noch der Federkern übrig und Autos sind bis auf die Karosserie verbrannt. Beim Schaufeln habe ich letzens das einzige identifizierbare Objekt gefunden- eine Murmel.

 

Wiederaufbau und ein Ansturm von Freiwilligenhelfern

 

Das Feuer ist laut Behörden mittlerweile unter Kontrolle- jetzt geht es an den Wiederaufbau. Gemeinsam mit Nachbarn, Freunden und in Zusammenarbeit mit kulturellen und politischen Einrichtungen packen die Helfer jeden Tag mit an. Zu Beginn teilweise mit Tellern, weil es an Schaufeln fehlt, mit halb zerbrochenen Plastikeimern, weil es nicht genug Schubkarren gibt. Viele wollen helfen, doch oft fehlt an Ausrüstung und Koordination. In Valparaíso bzw.  ganz Chile werden daher Hilfsgüter gesammelt und mit unzähligen Lastern zu den Sammelstationen gebracht.

Sammelstation

Sammelstation

Von dort aus tragen Voluntäre die Nahrungsmittel, Baumaterialien, Klamotten, Medizin und vieles mehr in die verbrannten Hügel Valparaíso u>nd zu den betroffenen Familien.

 

Zusammenhalt wohin das Auge reicht- auch Gringos helfen mit

 

Gemeinsam mit anderen Freiwilligen gehen wir täglich in die betroffenen Stadtteile, schaufeln Schutt und Asche aus den Trümmern, versorgen andere Helfer mit Essen und Trinken und helfen mit, die Arbeiten zu koordinieren. Sogar die ersten Häuser werden wieder aufgebaut!

 
Abgebranntes Stadtgebiet

Abgebranntes Stadtgebiet

In meinem und anderen Hostels werden Voluntäre kostenlos untergebracht. Menschen kommen aus Santiago und anliegenden Regionen und wollen vor Ort Hilfe leisten. Auch Backpacker, die mehr oder weniger auf der Durchreise sind, schrecken nicht davor zurück, sich täglich stundenlang die Hände schmutzig zu machen. Neben der Arbeit vor Ort haben wir Spendaktionen in unseren Heimatländern gestartet. Der Zusammenanhalt ist atemberaubend und bei uns Zuhause kaum vorstellbar. In der ersten Woche waren es sogar so viele Helfer, dass die Straßen völlig blockierten.

 

Bitterer Nebengeschmack

 

Neben der Unterstützung von allen Seiten, gibt es seit einigen Tagen auch politische bzw. rechtliche Probleme in den abgebrannten Vierteln. Die Anwohner, die nicht nur Dokumente verloren haben, sondern nahezu komplett planlos ihre Häuser auf den Hügeln gebaut haben, streiten jetzt um Grundstücke untereinander. Auch von politischer Seite gibt es Schwierigkeiten. Die Präsidentin hatte unter anderem die Erstellung eines Rahmenplans angekündigt, nach dem Valparaíso in „angemesser Weise" wieder aufgebaut werden soll. Dies beudeutet, dass das Stadtbild eventuell ganz neu konzipiert – sprich die Gebiete anderweitig genutzt werden sollen. Dies wird sich wohl in den nächsten Wochen klären. Fest steht, dass es bis dato noch jede Menge zu tun gibt und die Betroffenen nach wie vor (mehr als) ein Dach über dem Kopf brauchen.

 

Auslöser für den Großbrand sollen übrigens angeblich zwei Truthahngeier sein, die auf einer Hochspannungsleitung gesessen haben. Ermittler vermuten, dass die Vögel verbrannten als sich zwei Kabel im Wind berührten. Die dadurch entstandenen Funken hätten die trockenen Blätter am Boden entzündet.

 

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