Ein Layover in Shanghai: 48 Stunden zwischen Ost und West

Shanghai Skyline

Wer denkt, New York sei die Stadt, die niemals schläft, der ist noch nicht in Shanghai gewesen! Die 24-Millionen-Metropole ist eine spannende Mischung aus Tradition und Moderne, Superlative und versteckter Schönheiten. Als wir nach unserer Reise nach Suzhou die Ausläufer Shanghais erreichen, kann ich meinen Augen nicht trauen: Autokolonnen schieben sich mit uns der Megacity am Jangtse-Delta entgegen. Eine Lawine aus Blech und Hupen. Wir haben Glück, es gibt kaum Smog und die untergehende Sonne spiegelt sich gold-rosa in den verglasten Scheiben der Wolkenkratzer. Zwei Tage in der Megametropole erwarten uns. Zwei Tage, die sich auch wunderbar für einen Layover auf dem Weg zu einem weiteren Ziel in Asien oder China nutzen lassen.

 

 

Der erste Abend

Wir haben unser Hotel direkt aus Suzhou per Bus erreicht. Wer jedoch vom Flughafen kommt, der kann sich auf eine Fahrt mit dem berühmtem Transrapid freuen. Gerade einmal sieben Minuten (und 18 Sekunden, um genau zu sein!) braucht der Hochgeschwindigkeitszug für die Strecke von 30 Kilometern vom Flughafen Pudong bis ins City Center von Shanghai. Und das ganze ist mit 40 CNY bei Vorlage eines Flugtickets, also rund 5 EUR, auch noch eine wirklich günstige Möglichkeit.

 

Kaum im Hotel angekommen, schmissen wir auch schon unsere Taschen in die Ecke, ohne den phänomenalen Ausblick aus dem Hotelfenster eines großen Blickes zu würdigen. Denn Shanghai schreit geradezu danach, zu Fuß erkundet zu werden – die beste Möglichkeit, sich von der Stadt aufsaugen zu lassen. Und das tun wir. Während wir die Nanjing Road entlang laufen, ist die größte  Herausforderung, als Gruppe zusammen zu bleiben. Obwohl es bereits Abend ist, schieben sich Menschenmassen durch Shanghais berühmte Haupteinkaufsstraße, die mit ihren bunten Billboards und ihren Markengeschäften an New York erinnert, nur irgendwie exotischer und etwas verrückter.

 

Shanghai Skyline at night

Die Skyline von Shanghai in der Nacht

Der beste Ausblick in Shanghai

Unser Ziel ist die Rooftop-Bar mit einem der besten Ausblicke auf die Skyline der Megacity: Bar Rouge. In einem wunderschönen Kolonialgebäude direkt neben der Bank of Taiwan und der China Merchants Bank gelegen, hinterlässt schon der Eintritt einen echten Eindruck bei uns. Und dann geht es mit dem Aufzug nach oben – und wir stehen alle mit offenen Mündern da und können nicht glauben, was sich uns für ein Ausblick eröffnet:

 

Die Skyline der Wolkenkratzer von Pudong, alle angestrahlt und der Oriental Pearl Tower, der sie alle mit seiner bunten Farbe überstrahlt. Wir feiern die halbe Nacht unter den blendenden Lichtern einer Stadt, die niemals müde zu werden scheint – bis wir die Segel streichen müssen, weil wir Shanghais Tempo einfach nicht gewohnt sind.

 

Tag 2: Noch mehr Skyline

Der nächste Morgen begrüßt mich mit strahlendem Sonnenschein und zum ersten Mal genieße ich so richtig den Blick aus dem Hotelzimmer. Aus dem 12. Stock traue ich mich kaum, nach unten zu schauen. Glasscheibe hin oder her – das ist verdammt tief! Es ist jedoch nur ein Vorspiel gegen das, was wir uns für den Vormittag vorgenommen haben: Eine Fahrt auf den Shanghai Tower!

 

Fensterputzer Shanghai Tower

Fensterputzer in über 500 Metern Höhe!

Ein paar Fakten machen das zweithöchste Gebäude der Welt noch beeindruckender: 632 Meter Höhe, der höchsten Aussichtsplattform der Welt auf 561 Metern, 133 Etagen (davon fünf unterirdisch) und 106 Aufzüge, davon einige mit einer Geschwindigkeit von 20,5 m/s – Weltspitze. Der Shanghai Tower ist ein echtes Monument. Und der Burj Khalifa mag zwar höher sein, er bietet aber garantiert nicht die gleichen Ausblicke wie die, welche der Shanhai Tower für uns bereit hält!

 

Traumjob? Fenster putzen – auf 500 Metern Höhe

Während wir die Besucherplattform umrunden, säuselt leise Lounge-Musik aus den Lautsprechern, das Häusermeer von Shanghai verschwimmt irgendwie am Horizont im Dunst. Und dann sehen wir sie: Die Fensterputzer!

 

Eine Traube von Menschen bildet sich an einer Seite des Turms, während zwei chinesische Arbeiter draußen ganz unbeeindruckt die Fenster auf über 500 Meter Höhe wienern. Sie sitzen dabei auf nicht mehr als einem kleinen Brettchen und ich kann nur hoffen und beten, dass es in den nächsten Stunden keinen kräftigen Windstoß geben wird.

 

Mir ist ein wenig schwindlig, als wir uns auf den Weg nach unten machen und ich bin froh über die Geschwindigkeit, mit der der Aufzug mich wieder dem festen Erdboden entgegen bringt. Doch Höhenangst hin oder her – ein Besuch des Shanghai Tower ist ein Muss, auch, wenn der Preis mit 180 CNY (rund 23 EUR) ganz schön happig ist. Aber teuer ist alles in Shanghai, das sollte ich noch feststellen.

 

Ein sehr chinesischer Nachmittag

Chinesische Teigtaschen

Baozi – die berühmten chinesischen Teigtaschen

Hungrig machen wir uns auf in Shanghais Alstadt. Direkt neben dem Eingang zum berühmtem Yu Garten, einer zwei Hektar großen grünen Oase mitten in einer Wüste aus Stahl und Beton, befindet sich das Nanxiang Steamed Bun Restaurant.

 

Es gibt eine lange Schlange, doch sie bewegt sich schnell voran, denn in China ist es nicht üblich, nach dem Essen noch gemütlich sitzen zu bleiben und sich zu unterhalten. In einem Restaurant wird rasch gegessen und dann der Tisch für andere Gäste freigemacht. So müssen wir nicht lange warten, bis eine riesige Portion dampfender Baozi vor uns steht – gedämpfte und gefüllte Teigtaschen. Etwas wunderbar gewöhnliches bei all der Exotik der chinesischen Küche.

 

Der Yu Garten, eine Oase im Großstadtdschungel

Im Anschluss gehen wir direkt weiter zum anliegenden Yu Garten, auf deutsch Garten der Fröhlichkeit. Und wer könnte nicht fröhlich sein, in diesem grünen Labyrinth, dass einen ganz vergessen lässt, dass man sich mitten in einer Millionen-Metropole befindet? Die insgesamt sechs Teile des Gartens – jeweils abgeteilt durch eine Mauer mit einem fliegenden Drachen – bieten nicht nur Entspannung im Großstadttrubel sondern auch alle traditionellen Elemente eines chinesischen Gartens. Nach dem Konzept des Feng Shui gibt es schützende Berge, sanfte Hügel sowie Flüsse und Teiche. Alles muss einander im Yin und Yang ausgleichen und so wirkt der Yu Garten wunderbar harmonisch und beruhigend.

 

Drache im Yu Garten

Der Drachen „beschützt“ im Yu Garten seinen Bereich

Must Do: Eine chinesische Teezeremonie

Wir schließen den Tag mit einer traditionellen chinesischen Teezeremonie ab. Die Zubereitung von Tee hat in China eine jahrhundertealte Tradition und gehört fest zur chinesischen Kultur.  Wir beobachten, wie die Zeremonienmeisterin mit heißem Wasser die Teeschalen und die Kannen reinigt. Im Anschluss bereitet sie uns den ersten Aufguss grünen Tee zu.

 

Nach dem Drachenbrunnentee, den wir bereits aus Hangzhou kennen, kosten wir aus den winzigen Tassen Jasmintee, Rosentee und sogar Früchtetee. Alles hat einen überrasschend kräftigen, angenehmen Geschmack. Bis zu 15 Mal kann ein Aufguss mit demselben Tee gemacht werden und jeder schmeckt ein wenig anders. Eine traditionelle Zeremonie – mit fabelhaftem Ausblick über Shaghai – war defintiv ein interessantes Erlebnis.

 

Tag 3: Kultur auf dem Rücken einer Harley

Nachdem unsere Zeit in Shanghai knapp bemessen ist, starten wir unseren dritten Tag in etwas schnellerem Tempo. Es geht in die Französosche Konzession, ein Viertel, das im 19. Jahrhundert von den vielen französischen Einwanderern und Geschäftsleuten erreichtet wurde und auch heute noch für seine Bars und ausgezeichneten Bäckereien bekannt ist. Europäische Häuser, gusseiserne Balkone, verzierte Fassaden mit chinesischen Schriftzeichen – alles rauscht an uns vorbei, während mit der Fahrtwind durch die Haare braust. Denn wir erkunden das Stadtviertel auf dem Rücken einer Harley (ähnliche Touren wie unsere gibt es beispielsweise hier)!

 

Straße Tianzifang

Straße im Tianzifang-Viertel

Tianzifang: Das verlorene Künstlerviertel?

Natürlich ist dies garantiert nicht die umweltfreundlichste Methode, die Stadt zu entdecken, doch für eine gemütliche Besichtigung zu Fuß fehlt uns die Zeit. Angeblich sollen die Motorräder mit ihren Sidecars jedoch schon 2018 von den Straßen Shanghais verbannt werden. Ich bereue ein bisschen, dass wir die Cafés, Kunstgalerien und kleinen Designershops nicht mehr in aller Ruhe durchstöbern können, doch unsere nächste Station wartet bereits auf uns: Tianzifang, eines der hippen In-Viertel der Stadt, in dem sich Künstler und kleine Designerläden angesiedelt haben, nachdem es Ende der 90er Jahre renoviert wurde.

 

Wir schlendern durch die kleinen Gässchen und ich freue mich schon darauf, Kunsthandwerke und verborgene Schätze zu entdecken. Doch wir werden etwas enttäuscht. Die kleinen Gässchen des Viertels drängen sich von der Hauptstraße weg, nachdem man Tianzifang betrifft, findet man sich in einem kleinen Labyrinth wieder.

 

Und obwohl es einige süße Cafés und Shops zu entdecken gibt, erschrecken mich die Schilder, die Paulaner Weißbier und Sauerkraut anbieten. Der ehemalige Charme von Tianzifang ist definitiv noch zu spüren – er hängt in den verlorenen Gässchen, in denen sich niemand aufzhhalten scheint, als ein verrostetes Fahrrad. Doch bei einem kurzen Durchschlendern ist leider nicht viel von ihm zu bemerken.

 

Jadebuddha-Tempel

Statue im Jadebuddha-Tempel

Ein beeindruckender Abschied: Der Jadebuddha-Tempel

Doch China verabschiedet sich sehr erhaben von mir. Denn obwohl es beginnt, wie in Strömen zu regnen, besuchen wir kurz vor dem Weg zum Flughafen noch einen der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Shanghai: Den berühmten Jadebuddha-Tempel. Und wieder einmal beeindruckt mich die Ruhe und Gelassenheit, die der chinesische Tempel ausstrahlt – obwohl sich der Komplex in der Stadt und außerdem gerade in der Renovierung befindet.

 

Wir betrachten ehrfurchtsvoll die beiden Jadebuddha-Statuen, eine davon fast zwei Meter hoch und drei Tonnen schwer. Ich atme ein letztes Mal den Duft nach Regen, Abgasen und Räucherstäbchen ein. Eine verwirrende und faszinierende Mischung aus Tradition und Moderne. Und frage mich, wie China – das Land, dass sich so schnell verändert – mich wohl bei meinem nächsten Besuch überraschen wird.

 

Reisetipps für China findest du in meinem ersten Artikel über Hangzhou und Suzhou.

 

Ich wurde vom Fremdenverkehrsamt China und Reiseland China zu dieser Reise eingeladen. Vielen Dank.

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Hey, ich bin Kathi. Nach einem Auslandssemester in Odense (Dänemark), 2015 drei Monate Freiwilligenarbeit in Südafrika und einiges mehr hat mich das Reisefieber gepackt. In Kapstadt habe ich mich Hals über Kopf verliebt. Hier Lebe und Arbeite ich jetzt. Trotzdem kann ich es kaum erwarten weiterzuziehen und noch mehr von der Welt zu entdecken.

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