In 4 Wochen über die Alpen – Hardy’s Reisen

Alpenueberquerung

Hallo, mein Name ist Hardy und ich habe im Juli und August eine Alpenüberquerung gemacht. Dabei bin ich von München nach Venedig gewandert und war 4 Wochen unterwegs. Insgesamt habe ich 22.000 Höhenmeter auf einer Strecke von 550 Kilometern überwunden. Nach monatelanger Vorbereitung mit allem was dazu gehört (Weggenetz, Übernachtung, Einkaufsmöglichkeiten, Ausrüstung und körperliches Training) ging es nun mit großen Erwartungen los. Meine Reise habe ich niedergeschrieben und möchte sie wochenweise als Blog-Serie teilen.

Woche 1 – von den Voralpen bis in das Inntal

Die Woche im Überblick

Im ersten Abschnitt meiner Wanderung ging es für mich vom Marienplatz in München über die deutsch-österreichische Grenze ins Inntal. Dabei lief ich die ersten 4 Tage an der Isar entlang, bis der erste Aufstieg zum Brauneck folgte. Weiter ging es über das Karwendelgebirge in das besagte Tal. In dieser Woche legte ich 140 Kilometer in 46,5 Stunden zurück und ging 5140 Höhenmeter bergauf und 3850 Höhenmeter bergab. Besonders interessant waren die ersten Bekanntschaften, die ich auf dieser Tour gemacht habe.

Wegabschnitte

An den ersten beiden Tagen legte ich auf der Strecke von München über Kloster Schäftlarn nach Geretsried insgesamt 44 km in 10 Stunden Gehzeit zurück. Schon einen Tag später erreichte ich das malerische Bad Tölz. An diesem Tag lief ich nur 18 Kilometer. Anschließend erfolgte mein 1. großer Aufstieg zur Tutzinger Hütte, wobei ich über 1250 Höhenmeter anstieg.

 

Am darauffolgenden Tag lief ich nach Vorderriß kurz vor der Grenze Österreichs. Ich legte 18 km Strecke zurück. Einen Tag später überquerte ich die Grenze und lief über 24 km zum Karwendelhaus. Der Anstieg beläuft sich auf 1050 Hm in 7 Stunden bergauf. Am letzten Tag in dieser Woche ging es für mich zur Halleranger Alm.

Die ersten bayerischen Hütten

In Bayern gibt es noch eine andere Art der Übernachtung: eine Hüttenübernachtung in einer Almhütte. Und davon konnte ich auf dieser Tour nicht nur eine genießen. Doch die ersten 3 Tage schlief ich in Pensionen, welche nah an meinem Weg lagen. Dabei fand ich besonders den 1. und den 3. Tag schön.

 

In meiner ersten Nacht schlief ich in einem typisch – bayerischen Bräustüberl in Kloster Schäftlarn. Dort bekommt man für 51 € ein Einzelzimmmer mit Frühstück und WC/Dusche. In der dritten Nacht übernachtete ich in einem Gasthof in Bad Tölz bei einer netten, älteren Dame, die den Begründer des Traumpfades München – Venedig persönlich kannte. Es war echt interessant ihre Geschichte über Ludwig Grassler zu hören.

 

Von der kulturellen Stadt Bad Tölz führte mein Weg weiter nach Lenggries und von dort aus zum ersten Anstieg zur Tutzinger Hütte hinauf. Es ist meine erste Erfahrung in einer Hütte zu schlafen. Sie ist sehr empfehlenswert für jeden Wanderer. Die darauffolgenden Tage verbrachte ich ebenfalls in Hütten derselben Art. Es ist ein gemütliches Gefühl am Abend mit einem Tee in einer warmen Hütte zu sitzen und sich mit den anderen Wanderern zu unterhalten.

Karwendelhaus

Was ihr zum Abschnitt unbedingt wissen sollte

Besonders in den ersten Tagen taten mir meine Beine weh. Ein Grund dafür waren die Mücken, welche mich am Ufer der Isar immer wieder stachen. Vor Allem im Sommer solltet ihr hier aufpassen. Auch ich habe die kleinen Plagegeister unterschätzt und mich schlecht auf sie vorbereitet. Ihr solltet mindestens ein Mückengel dabei haben, um einigermaßen angenehm laufen zu können. Ich hatte zwar ein Spray dabei, davon haben sie sich aber leider nicht abschrecken lassen.

 

Auch ist es ratsam ein GPS gerät mitzunehmen. In diesem Abschnitt habe ich mich 2x aufgrund der schlechten Wegbeschreibung im Wanderführer und auf den Schildern verlaufen. Oftmals sieht man richtige Wege erst später oder eben zu spät… Ich habe mich während meiner Tour am „Rother Wanderführer“ orientiert, wodurch ich mich auch in fremden Gebieten meistens wohl gefühlt habe. Aber auch der beste Wanderführer ist gegen Autorennen (dazu später) oder Wegsperrungen wie auf der Benediktenwand nicht immer gewappnet.

Was ich in der nächsten Woche erleben werde

In der kommenden Woche werde ich das Inntal durchqueren und Skifahrer sehen, die mitten im Sommer unterwegs sind. Des Weiteren werde ich die Grenze nach Italien überqueren und Südtirol betreten. Dabei treffe ich erneut Weggefährten, die mich einen Teil meiner Reise begleiten werden. Im folgenden Abschnitt sehe ich außerdem „übernachtungs-technisch“ die größten Unterschiede auf der gesamten Tour.

Woche 2 – vom Inntal bis zum Pustertal

Die Woche im Überblick

Da ich mich inmitten der Alpen befinde, beginnt die neue Woche so, wie die Vergangene aufgehört hat. Es geht immer steiler die Berge hinauf. Am Ende dieser Woche werde ich bereits in Südtirol sein. In dieser Woche werde ich die größten Unterschiede zum Thema „Übernachtung“ erleben und sehen, wie viel ein ordentliches Bett wert ist.

Wegabschnitte

Am ersten Tag dieser Woche ging es bei mir zur Glungezer Hütte 1000 Hm bergauf. Ich ging bei einer Gratwanderung von dort aus 15 km weiter zur Lizumer Hütte. Mein Schritttempo beträgt in diesen Höhen ungefähr 2-3 km/h, weshalb man diese Längen nicht unterschätzen sollte. Von der Lizumer Hütte ging es weiter zum Tuxer-Joch-Haus. Das war keine anstrengende Etappe. Über die Friesenbergscharte, die die Tuxer Alpen von den Zillertaler Alpen trennt, verlief mein Weg weiter zur Dominikushütte am Ende des Zillertals. Von der Friesenbergscharte stieg ich also wieder 1300 Hm ab.

 

Durch das auslaufende Zillertal ging es vorerst über die Grenze am Pfitscher Joch nach Südtirol und anschließend erneut bergab bis nach Stein. Vom ersten südtirolischen Ort ging es 1200 Hm bergan zur Gliderscharte. Von dort aus folgte der Weg nach Pfunders. Von Pfunders stieg ich 25 km zur Kreuzwiesenalm auf der Lüsner Alm auf. Dort endet meine 2. Woche.

Weggefährten

Neben Ziegen, Kühen und anderen Tieren habe ich auf meinem Weg noch andere Gesellschaft bekommen. Schon am vierten Tag lernte ich Victoria und Marcus kennen, welche mich für 15 und 4 Tage begleiteten. Außerdem traf ich Anna, die ebenfalls bis Hall mitging. In  der 2. Woche kam noch eine nette Frau namens Veronika hinzu und ein älteres Ehepaar, was sich ebenfalls an die Alpenüberquerung wagte. So bildete sich langsam eine Stammgruppe, in welcher wir gewisse Teilabschnitte zusammen liefen oder uns am Abend wieder trafen.

Ziegen

Neben dieser Gruppe gab es noch weitere Bekanntschaften, die ich gemacht habe. So trafen wir zum Beispiel an der Glungezer Hütte auf David oder an der Puezhütte in der 3. Woche auf Rainer. Oft fragten mich auch die Menschen, was ich vorhabe und wohin ich eigentlich möchte. Selbst Radfahrer hielten extra an und redeten mit mir.

Was ihr zum Abschnitt unbedingt wissen sollte

Auf dem Weg vom Tuxer-Joch-Haus bis zur Dominikushütte quert man unterhalb der Friesenbergscharte das Spannagelhaus. Das Haus selbst bietet leider keine Schlafplätze mehr an. Dennoch lockt es mit einer Attraktivität: direkt neben dem Haus befindet sich die Spannagelhöhle. Die mindestens 10 km lange Schauhöhle (bisher erforschte Länge) ist im Rahmen von Führungen bi zu 500 Meter für Besucher zugänglich. Leider drängte bei mir die Zeit, aber die viele Wanderer meinten, dass sie ein Besuch auf jeden Fall Wert ist.

 

Ein weiteres Highlight dieser Woche sind insbesondere 2 Hütten. Die Glungezer Hütte hat eine wunderschöne Lage zwischen 2 nahegelegenen Gipfeln. Als wir ankamen, wurden wir herzlich mit einem Schnaps empfangen. Inmitten der Inntaler Berge im Karwendelgebirge glänzt das Kupferdach, der auf 2610 Meter liegenden Schutzhütte. Am Abend nahm uns der Hüttenwirt mit auf einen der Gipfel, welcher sich 5 Minuten entfernt befindet. Die Hütte ist sehr urig und erholsam. Ich bezahlte 9€ für die Übernachtung.

 

Auch die Dominkushütte zeichnet sich durch ihre Herzlichkeit der niederländischen Wirtsfamilie aus. Als wir ankamen, wurden wir freundlich empfangen und uns unser Zimmer gezeigt. Außerdem gab e die einzige Möglichkeit auf der gesamten Strecke in einer Hütte die Wäsche waschen zu lassen, was sogar zum Service gehörte. Auch macht das Küchenteam die besten Käsespätzle, die ich je gegessen habe. Falls man einmal im Zillertal sein sollte, lohnt sich ein Besuch unbedingt.

 

Nicht besonders schön fand ich jedoch das mit Touristen überfüllte Tuxer-Joch-Haus. Schon als wir ankamen, kam ein unwohles Gefühl auf. Viel zu viele Menschen, schlechte Bedienung, kein gutes Essen und teuere Preise bestätigten unseren Eindruck. Die Krönung des ganzen rundete unser Schlafplatz im Heizungsraum ab, in welchem der Boiler natürlich auch nachts lief. Einzig die gute Aussicht auf den Hintertuxer Gletscher haben wir auf dieser Hütte geschätzt.

Was ich in der nächsten Woche erleben werde

Besonders schön gefiel mir der letzte Abschnitt auf der Lüsner Alm in dieser Woche, über welchen ich in der kommenden Woche genauer berichten möchte. Denn ich werde das sanfte Almwiesengebiet verlassen und die Dolomiten betreten. Auch hier lerne ich wieder neue Menschen kennen und mache erste Erfahrung mit der malerischen italienischen Stadt Belluno. Diese Woche wird aber auch nochmal eine wahre Herausforderung. Warum das so ist, werdet ihr bald erfahren.

Woche 3 – vom Pustertal nach Belluno

Die Woche im Überblick

Ab jetzt fühlt man sich so richtig wie zuhause in den Alpen, denn am Ende der vergangenen Woche begann einer der schönsten Teilabschnitte dieser Wanderung. Ich befand mich also auf der Lüsner Alm. Von dort aus ging es auf direktem Wege auf die Dolomiten zu. Dieser Abschnitt besteht größtenteils aus den schroffen Felsformationen in Südtirol. Wenn ich es durch sie hindurch geschafft habe, begrüßt mich schon Belluno, von wo aus es gar nicht mehr so weit bis zu meinem Ziel ist.

Wegabschnitte

Der erste Tag dieser Woche diente zum Einstieg in die Dolomiten. Ich beendete meinen „Spaziergang“ auf der Lüsner Alm indem ich über das Würzjoch und anschließend zur Schlüterhütte in insgesamt 22 km, davon 1370 bergauf und 990 bergab, zurücklegte. Weiter bis zu Puezhütte waren es am nächsten Tag nur 5 Stunden (11 km), welche es aber in sich hatten: ich stieg über 2 Scharten, die Nives Scharte und die Roa Scharte, auf und anschließend wieder ein Stück ab. Dennoch kam ich nur auf 740 Hm.

 

Nun wurde es aber spannend: ich befinde mich am 3. Tag im Sella Massiv und überquere das Grödner Joch. Anschließend erfolgt der größere Anstieg (1100 Hm) an der Rifugio Pisciadu vorbei zu meinem höchsten Punkt der Wanderung auf 2962 Hm. Noch an diesem Tag steige ich wieder leicht in einer Mischung aus Mondlandschaft und Himalaya ab zur Rifugio Boe am Fuße des Piz Boe. Ein Aufstieg lohnte sich aufgund des schlechten Wetters leider nicht. An diesem Tag schlief ich auf der Rifugio Forcella Pordoi, welche nicht mehr als eine Stunde von der Rifugio Boe entfernt ist. Hier trennten sich auch die Wege von Victoria und mir.

 

Von der Pordoihütte, direkt auf der Pordoischarte führte mich mein Weg 30 km und 2070 Hm bergab nach Alleghe. An diesem Tag war es leider sehr regnerisch und rutschig. Von Alleghe folgte erneut ein Aufstieg, welchen man jedoch mit 2 Seilbahnen hintereinander umgehen kann. Selbst wenn man dies tut, sind noch 680 Hm bergauf und 900 Hm bergab zurückzulegen, die eine Gesamtlänge von 15 km ausmachen. Ich befinde mich nun also am Fuß der Civetta, an deren Ende die Rifugio Vazzoler liegt. Von ihr sind es nur 3 Stunden bis zu Rifugio Bruto Carestiato, an welcher der Klettersteig fast beginnt.

 

Um diesen jedoch zu umgehen ist es möglich 1200 Hm nach Agordo abzusteigen und den Bus nach Belluno zu nehmen. Anderenfalls benutzt man den Klettersteig, um zur Rifugio 7° Alpini zu gelangen, um von dort aus nach Belluno abzusteigen. Der Klettersteig ist mittelschwer, aufgrund des Sicherheitsrisikos aber nur zu 2. (oder mehr) zu empfehlen. Da ich weder Klettersteigerfahrung, noch Klettersteigset besitze und momentan ohne Begleitung bin, verzichtete ich darauf und siteg nach Agordo ab. Von dort aus kann man schlecht nach Belluno laufen, weshalb eine Busfahrt empfehlenswert ist. Die Entfernung der beiden Orte beträgt circa 30 km.

Verletzungen

Wie bereits angekündigt ist diese Woche einerseits wunderschön gewesen, andererseits war sie eine echte Herausforderung. Auf dem Weg zur Puezhütte lief ich mir eine Eiterblase am Zeh. Das ist natürlich sehr schmerzhaft und unangenehm. Viele rieten mir sie aufzustechen und abzukleben. Andere meinten, dass es besser wäre sie ruhen zu lassen, bis sie von allein verschwindet. Was besser ist, kann scheinbar von Blase zu Blase unterschiedlich sein. Ich entschied mich sie abzukleben und zu schauen, was passiert. Ein paar Tage später platzte sie unerwartet auf und trocknete aus, ohne sich zu entzünden. Ich habe mit Desinfektionsspray und Pflastern hantiert, bis sie wenige Tage darauf fast völlig verschwand. Ich konnte problemlos weiter laufen.

Erste Hilfe Set

Bei Ungewissheit kann ich das jedem empfehlen, der keine ausreichenden Hygieneartikel dabei hat. Sollte es gar nicht gehen, gibt es selbstverständlich immer noch die Möglichkeit zu pausieren oder gar abzubrechen. In der Regel besitzen aber die Hütten ausreichend Pflaster, Desinfektionsmittel, Kompressen, und andere Hilfsmittel um Blasen und kleinere Verletzungen zu behandeln. Oftmals haben auch noch Wanderer Pflaster dabei, wenn man keine eigenen mehr haben sollte oder diese vergessen hat.

Was ihr zum Abschnitt unbedingt wissen solltet

Auch der höchste Punkt der Wanderung sollte in gewisser Weise gewürdigt werden… Von der Puezhütte aus lief ich vorerst bis zum Grödner Joch, bis ich dann über die Rifugio Pisciadu zu meinem höchsten Punkt der Wanderung noch vor der Rifugio Boe aufstieg. Dieser 2962 Meter hohe Punkt hat keinen besonderen Namen und ist auch nur mit kleinen bunten Flaggen (etwa wie in Nepal) kenntlich gemacht worden. Manch einer mag sich vielleicht denken, dass jene Höhe gerade einmal die, der Zugspitze entspricht. Allerdings läuft man ständig auf und ab und kommt auf diese Weise trotzdem auf 22.000 Hm, was nicht zu unterschätzen ist.

 

Eine weitere Attraktivität ist die Lüsner Alm in Südtirol südlich des Pustertals. Frische Almwiesen, Vogelgezwitscher, klarer Sonnenschein und das Muhen der Kühe haben mich völlig überzeugt. Ich bin zu einer Zeit im Sommer gewandert, wo die Bauern gerade ihr Heu machten. Ich habe mich wie in einer anderen Welt gefühlt. Fast alles war ruhig und nicht überfüllt. Hier lohnt sich ein Besuch auch für Tageswanderer ganz gewiss. Von der Lüsner Alm kann man schon auf die Dolomiten blicken.

 

Am Ende dieser Woche kam ich in Belluno an. Wie bereits im Wanderführer beschrieben, ist Belluno eine Kleinstadt (ca. 35.000 Einwohner) in Venetien. Sie lockt mit ihrem italienischen Flair. Neben schmalen Gassen und gemütlichen Restaurants besitzt der Ort auch Cafés und Bars. Ich habe im Bottega del Caffe Dersut einen Cappuccino getrunken, was sehr empfehlenswert ist. Geschlafen habe ich im Casa Per Ferie Al Centro, was für Wanderer oder Durchreisende ideal ist.

Was ich in der nächsten Woche erleben werde                

Nun neigt sich also meine Wanderung dem Ende zu. In der letzten Woche meiner 4-wöchigen Alpenüberquerung werde ich ein letztes Mal aufsteigen und den Tag darauf wieder absteigen. Dann sind es nur noch 5 Tage bis nach Venedig. In dieser Zeit werde ich in der sogenannten Piave – Ebene bis zu meinem Ziel marschieren. Doch bevor ich so weit bin, musste ich erst erfahren, wie anstrengend es sein kann, einen Aufstieg zum letzten Berg zu finden. Wie genau ich das geschafft habe, werdet ihr im nächsten und letzten Artikel der Blogserie erfahren.

Sonnenuntergang

Woche 4 – von Belluno nach Venedig

Die Woche im Überblick

In Belluno angekommen kann ich mir hier auf die Schulter klopfen. Die Alpen liegen hinter mir. Nun erhebt sich nur noch der Nevegal, Bellunos Hausberg, vor mir. Leider musste ich gegen ein Autorennen ankämpfen, um die abgesperrte Hauptstraße überqueren zu können. Das gestaltet sich gar nicht so leicht. Darüber werde ich in diesem Artikel auch berichten. Vom Nevegal herunter blicke ich dann aber weiter Richtung Ziel. Doch die letzten Tage werden mich noch einmal richtig fordern, da die Strecken länger und die Temperaturen höher werden.

Wegabschnitte

Um der letzten Woche noch ein paar Höhenmeter zu gewähren, stieg ich noch einmal 800 Hm auf den Nevegal auf. Eigentlich beträgt der Anstieg 1600 Hm, allerdings kam bei mir noch etwas dazwischen, was ich nicht eingeplant hatte. So gelangte ich auf einer Strecke von 17 km zur Rifugio Col Visentin. Direkt am nächsten Tag stieg ich in das venezianische Flachland ab und lief 27 km bei 800 Hm bergab über Tarzo nach Arfanta.

 

Nun folgten nur noch geringe Auf- und Abstiege (< 200 Meter auf oder ab). Ich lief von Arfanta nach Ponte della Priula (24 km) und von dort aus nach San Bartolomeo (21 km). Neben Weinreben führte mich mein Weg weiter über kleinere Dörfer nach Musile di Piave (20 km) und anschließend auf die Halbinsel Lido di Jesolo nach Cavallino (24 km). Von dort aus lief ich bis zur Anlagestelle Stelle der Fähre nach Punta Sabbioni. Von dort aus setzte diese in wenigen Minuten nach Venedig über und ich lief bis zum unweit entfernten Markusplatz, wo meine Alpenüberquerung endete.

Preise

In diesem Abschnitt möchte ich etwas zu den Preisen berichten, damit ihr einen groben Wert habt, mit dem ihr rechnen solltet. Viele stellen sich so eine Tour wahnsinnig teuer vor, Andere denken, es wäre ja nichts zu bezahlen. Um es auf den Punkt zu bringen: ich habe in den vier Wochen, in denen ich unterwegs (ca. 1900 €) bezahlt. Das betrifft Übernachtung, Essen & Trinken, Zugfahrt, Eintrittskarten und Kurtaxe. Enthalten ist dabei jedoch nicht die Ausrüstung. Wenn ihr diese Tour plant, solltet ihr auch damit rechnen, dass es in Südtirol teurer werden kann, als in Bayern und in Österreich.

 

Die Anderen auf meiner Tour haben teilweise mehr, teilweise weniger bezahlt – je nachdem wie gut man es sich gehen lässt. Pro Übernachtung mit Frühstück (ist meistens inbegriffen) sollte man auf den Hütten mit 35-40 € rechnen. Das hört sich erstmal recht gut an, allerdings war bei mir das Abendessen meistens am teuersten, weshalb ich an einigen Tagen auf 60 -70 € gekommen bin. Wenn ich richtig Hunger hatte, musste ich schon einmal 20 € bezahlen. Die Hütten sind eben keine Imbissbuden. In den Pensionen war es Ähnlich. Dort waren es vielleicht am Ende insgesamt 5 € mehr. Dennoch hat es sich meiner Ansicht nach sehr gelohnt, das Geld auszugeben.

 

Neben den vielen Menschen gibt es einen weiteren Grund, warum das Essen und Trinken auf den Gebirgshütten teurer ist, als man annimmt: manche der Hütten befinden sich in Höhen oder in so unwegsamen Gelände, dass sie nicht mehr mit dem Auto beliefert werden können. Deshalb werden diese Hütten mit Hubschraubern beliefert. Die Logistik in der Luft ist natürlich etwas aufwendiger und teurer, was sich also auch im Preis beim Essen und Trinken wiederspiegelt.

Autorennen

Um von Belluno aus auf den Nevegal aufsteigen zu können, muss man die Hauptstraße überqueren. Jedoch fand ausgerechnet am 08.08.2020 ein Autorennen auf einem für längere Zeit abgesperrten Hauptstraßenabschnitt statt. Ich suchte nahezu verzweifelt nach einem Weg über die Straße, ging in der Sonne mit meinem 13 kg schweren Rucksack auf und ab und versuchte irgendwo die Straße zu überqueren. Selbst auf Trampelpfaden waren Absperrungen und Sicherheitskräfte, die mich am Weiterlaufen hinderten. Nach 3 Stunden ohne Erfolg überlegte ich mir soweit wie möglich auf der einen Straßenseite zu laufen, um möglicherweise am Ende der Absperrung die Straße kreuzen zu können.

 

Nach diesem großen Zeitverlust stand ich dann aber vor einem neuen Problem: ich hatte zwar die Straße überquert, konnte jedoch nicht den Weiterweg ausfindig machen. Eine nette Dame des Organisationsteams des Rennens sprach mich an und sah mir offenbar auch meine Verzweiflung an. Sie zeigte mir nicht nur den Weg zum Aufstieg, sondern begleitete mich noch ein Stück und gab mir zur Verabschiedung einen kleinen Aufkleber.

 

Ich ging weiter und nach wenigen Minuten hielt ein Auto neben mir und ein netter, älterer Mann fragte mich, ob ich mit fahren möchte. Ich bejahte und er brachte mich ein paar Meter weiter nach oben. Nachdem ich ausstieg, lief ich keine 10 Schritte bis mich plötzlich eine Frau aus einem Auto ansprach und mich ebenfalls ein Stück mitnahm. So musste ich nur noch 800 Hm bis zum Nevegal aufsteigen. Oben angekommen, war ich echt von der italienischen Gastfreundschaft begeistert und als Symbol für den Ehrgeiz und den Wille nicht aufzugeben, klebt der Aufkleber nun an meinem Auto.

Autorennen

 

Was ihr zum Abschnitt unbedingt wissen solltet

Auf meinem letzten Abschnitt waren die Berge zwar nicht mehr da, allerdings können die langen Touren im Flachland echt schleppend sein. Deshalb ist ein 2. Paar Schuhe sehr empfehlenswert. Ich bin dann ab Arfanta in Turnschuhen weitergelaufen, da die man viel auf Straßen und einen großen Teil auf einem Damm läuft. Die Wanderschuhe könnt ihr entweder zurückschicken oder so wie ich einfach mittransportieren.

 

Ein 2. wichtiger Punkt für die letzten Tage ist der Sonnenschutz. Mindestens einen Hut und Sonnencreme solltet ihr dabei haben, da es am Tag durchaus bis zu 40° werden können. Auch solltet ihr, wie ich bereits zu Beginn der Tour gesagt habe, an genügend Wasser denken. Das gibt es in vielen Orten für wenig Geld zu kaufen. Wasser aus Quellen, Flüssen oder anderen Fließgewässern würde ich allerdings in Italien nicht trinken. Die Trinkwasserqualität ist insbesondere in dieser Gegend nicht die Beste. Neben Wasser, Sonnencreme und einem Sonnenhut fehlt aber noch ein guter Schutz für die Augen, der unbedingt dabei sein sollte.

Sehenswertes

Statt den Bergen gab es meiner Ansicht nach viele andere, interessante Sehenswürdigkeiten, die mich auf dem Weg begleiteten. Als 1. fällt mir da die Molinetto della Croda ein. Eine Mühle, die auf einem Felsen gebaut wurde. Lange Zeit war sie inaktiv, wurde jedoch vor einigen Jahren renoviert und für Besucher und Ausstellungen geöffnet. Sie liegt direkt auf dem Weg.

 

Das Gebiet in der die alte Mühle steht ist ebenfalls eine wahre Besonderheit. Das Prosecco Superiore ist eines der größten Gebiete, in denen die Art des Weines aus dem man Prosecco produziert, angebaut wird. Neben riesigen Reben bieten sehr viele Bauern und Restaurant eine Verkostung an. Auf der Rifugio Col Visentin trank ich zusammen mit dem Wirt ein Glas dieses edlen Tropfens.

Venedig

„Ein Ort, an dem man sich nur wohl fühlen kann“, dachte ich mir. Ich habe mich riesig gefreut, als ich endlich angekommen bin. Es hat ja auch lang genug gedauert. Wenn ihr mit der Fähre übersetzt, seht ihr schon von weitem die Basilica di Santa Maria della Salute und den Palazzo Ducale. Auch der Markusturm versteckt sich nicht, vor Besuchern. Am Hafen angelegt geht es nach links weiter und direkt auf den Markusplatz zu.

 

Durch Venedig hindurch fließt der Canal Grande. Die beliebteste Möglichkeit ihn zu überqueren ist die Rialto Brücke. Sie ist auch eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Der Name „Rialto“ ist dem Viertel „Rialto“ in San Polo zu verdanken, was einst das wichtigste Handelszentrum von Venedig war. Sie hat eine Spannweite von 48 Metern und ist 22 Meter breit.

 

Die engen Gassen der Stadt sind nicht nur für Fußgänger gemütlich. Besonders eine Fahrt mit einer Gondel in den schmalen Kanälen kann sehr erholsam und attraktiv für Besucher sein. Ich selbst habe es nicht ausprobiert, weil ich es dann doch etwas teuer fand. Für 40 Minuten bezahlt man schon 80 € und für jede weiteren 20 Minuten 40 €. Es sollte jeder selbst beurteilen ob ihm/ihr das Wert ist.

Venedig

One comment

  • Hallo Hardy,
    ein sehr lesenswerter Bericht mit wunderbaren Eindrücken. Wirklich großen Respekt an deine Leistung und danke für’s Teilen. Meine Lust, dir das gleich zu tun, ist damit noch einmal deutlich angestiegen.

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