Wiederentdeckung der Heimat – ein Eifel Reisebericht

14. November 2013

Zuletzt aktualisiert:

Autor: Chris

Mein Name ist Lisa, ich bin 27 Jahre alt und komme ursprünglich aus der schönen Eifel. Bereits in jungen Jahren hattte ich „Hummeln im Hintern“ und konnte selten still sitzen. Diese Eigenschaft spiegelt sich heute in meinem Unternehmensdrang und meiner Reiselust wieder. Wenn ich nicht unterwegs bin, vertreibe ich mir am liebsten die Zeit mit Sport, lesen oder backen. An einem verlängerten Wochenende im Januar wollte ich einem guten Freund gerne meine Heimat mit ihren Gepflogenheiten vorstellen. Aus diesem Grund sind wir gemeinsam mit dem Zug in Richtung Eifel gefahren. Noch heute wohnen meine Eltern sowie meine Großeltern in einer kleinen 600 Seelen Gemeinde in der Nähe des Moselortes Cochem.

Das Leben beginnt am Ender der Komfortzone

Men gaat op reis om thuis te komen”

(Man geht auf Reise um nach Hause zu kommen) Godfried Bomans

Vor einiger Zeit ist mir dieser Spruch von Godfried Bomans im Bahnhof von Utrecht begegnet und er hat mich seitdem immer wieder beschäftigt. Was er jedoch wirklich für mich bedeutet habe ich dann bei einem Heimatbesuch ein wenig später in der Eifel erfahren dürfen…

Auch der Weg ist das Ziel

Bereits auf der Zugfahrt von Köln den Rhein aufwärts war die Begeisterung bei meiner Reisebegleitung groß. Alsbald führten die Gleise entlang des Rheins zwischen Weinbergen, kleinen Dörfern mit Fachwerkhäuschen und einer beindruckenden Zahl von gut erhaltenen Burgen entlang. An sich war das gebotene Bild schon beeindruckend, hatte ich das etwa vergessen?

Das ländliche Leben hatte jedenfalls dazu geführt, dass ich der Region bereits in jungen Jahren überdrüssig wurde und mit 18 ausflog, um mein Glück in der großen weiten Welt zu finden. Dabei hatte ich mir zwar ein Heimatgefühl bewahrt, allerdings erschien mir die Gegend grundsätzlich eher langweilig, ereignisarm und umständlich zu erreichen.

Der Besuch meines Freundes lenkte meine Aufmerksamkeit auf die wahre und mir entschwundene Schönheit dieser Jahrhunderte alten Zeitzeugnisse. Mit einer neu entfachten Begeisterung entdeckte ich in den folgenden Tagen die Besonderheiten dieser Region wieder. Ich fühlte mich plötzlich wie ein Gast in meiner eigenen Vergangenheit…

Urlaub mit allen Sinnen erfahren

Und so begann die Neuentfachung meiner Zuneigung erst einmal mit einem deftigen Abendessen und dem zugehörigen Moselwein. Wie könnte man eine Region besser in sich aufnehmen, als durch den Magen? Generell lässt sich eine typische Mahlzeit in Eifel wohl als deftig oder gut bürgerlich bezeichnen. So besteht sie häufig aus einer Fleischbeilage, einem passenden Gemüse und einer auf Kartoffeln basierenden Grundlage. Vor allem die Vielfalt der Kartoffelgerichte beeindruckt mich immer aus Neue. So gibt es neben Pellkartoffeln, Kompott und Pommes weitere Varianten als Pfannkuchen-ähnliche Reibekuchen, als knusprig gebackenes Püree oder als Suppe, nur um einige wenige zu nennen.

Wandern durch die Eifel

Gut gestärkt starteten wir am folgenden Tag auf eine Wanderung durch die nähere Umgebung. Die Eifel bietet hierzu unzählige Möglichkeiten mit verschiedensten Zielen. Wir hatten uns schlussendlich für den Monrealer Ritterschlag entschieden, eine Wanderung durch das Elzbachtal vom kleinen Örtchen Monreal bis hin zur Burg Eltz. Die Wege sind gut gepflegt, ausgeschildert und auch für wenig trainierte Wanderer gut zu bewältigen. Bereits nach wenigen Minuten spürt man die Ruhe und Erholung die einem die unberührte Natur bietet. Speziell auf den Wanderstrecken in der Eifel ist diese Abgeschiedenheit und Ursprünglichkeit noch zu erfahren, begegnet man doch auch nach Stunden noch keiner asphaltierten Straße geschweige denn einem Auto. Belohnt wurden wir dann am Ende mit einem traumhaften Blick auf die wunderschön erhaltene Burg Eltz.

Trier

Als weiteres Ausflugsziel hatten wir uns einen Trip in die nahegelegene Stadt Trier vorgenommen. Sie ist bequem mit dem Zug oder Schiff zu erreichen und bietet allerhand zu entdecken. Bei ausreichend vorhandener Zeit ist eine solche Schifffahrt, inklusive Weinprobe, sehr zu empfehlen, erhält man doch einen Blick auf die Umgebung während man etwas über Wein und Kultur der Menschen erfährt.

Wir hatten uns aus Zeitgründen allerdings leider dagegen entscheiden müssen und machten uns somit auf eine weitere Zugfahrt an der Mosel entlang Richtung Trier.

Bereits vor über 2000 Jahren wurde Trier von den Römern unter dem Namen Augusta Treverorum gegründet. Viele der zu besichtigenden Sehenswürdigkeiten rühren noch aus dieser Zeitepoche und beeindrucken durch ihre Größe und ihr immenses Alter. So gibt es neben der Porta Nigra (Stadttor), einem Amphitheater, einigen Thermen und einer Basilika auch eine der ältesten christlichen Kirchen weltweit. Der Trierer Dom ist Bischofssitz und gehört gemeinsam mit einigen anderen Gebäuden seit 1986 zum Weltkulturerbe. Ein Trip in die Vergangenheit dieser Stadt lohnt sich zweifellos, erhält man doch selten eine solche Fülle an gut restaurierten und anschaulich präsentierten römischen Bauwerken.

Neben geschichtlichen Highlights verfügt die Stadt über viele Möglichkeiten um die Seele einmal baumeln zu lassen. Hierzu eignen sich die vielen, oft urigen Übernachtungsmöglichkeiten, der lokale Trierer Apfelwein oder jetzt im Dezember der berühmte Weihnachtsmarkt.

Der Reisebericht meines Freundes fiel daher insgesamt durchweg positiv aus. Begeistert von der natürlichen Schönheit der Umgebung, den wunderbaren alten Gemäuern und der erfrischenden Einfachheit der Leute, entfachte diese Reise auch wieder meine Faszination für die Region. So muss es nicht immer Backpacken irgendwo in den Weiten unseres Planeten sein, um die Schönheit der Natur zu erfahren. Für mich reichte ein Wiederentdecken meiner alten Heimat…

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